EnergieTour 2016 - Wärmeversorgung Wiesentheid

„Energiewende weiter gedacht…“

Die 4. EnergieTour der Dorfschätze stand dieses Jahr ganz im Zeichen der Wiesentheider Wärmeversorgung. Für einen Vortrag im Rouillac-Saal des Rathauses Wiesentheid konnte Bernhard Bedenk, Energieexperte bei der ÜZ in Lülsfeld, gewonnen werden. Er begeisterte die Teilnehmer mit einem kompetenten Vortrag über den aktuellen Stand der Energiewende. Informationen aus erster Hand zur technischen Umsetzung der (Nah-)Wärmeversorgung in Zusammenarbeit mit der Biogasanlage in Reupelsdorf sowie das dazugehörige Blockheizkraft waren zudem die Schwerpunkte. Insgesamt ein Vorzeigeprojekt in Sachen erneuerbare und nachhaltige Energienutzung. Auf Grundlage der Bestrebung, bis Ende des Jahrhunderts komplett ohne CO2-Ausstoß auszukommen sowie der Tatsache, dass bereits ab 2030 nach dem Entwurf des Klimaschutzplanes der Bundesregierung vom 4. Juli 2016 keine neuen Gas- und Ölheizungen mehr eingebaut werden sollen, erläutert Bernhard Bedenk die hierfür benötigten Voraussetzungen: „Mit dem fortschreitenden Ausbau erneuerbarer Energien, ist in erster Linie ein gemeinsames Erzeugungs- Transport, Speicher- und Verbrauchsmanagement notwendig.“ Die ÜZ hat sich diese Herausforderung zur Aufgabe gemacht und arbeitet sehr bestrebt daran, neue Techniken und Lösungen zu entwickeln, welche an einer Umstellung des Energiesystems ausgerichtet sind.

Natürlich lag es nahe, dass man sich im Anschluss gemeinsam auf den Weg in den Hans-Zander-Weg zum Heizhaus am Landschulheim Wiesentheid machte, um das für die Nahwärmelieferung in hohem Maße verantwortliche Blockheizkraftwerk mit Hackschnitzelanlage, welches seit Ende 2010 in Betrieb ist, aus nächster Nähe zu betrachten.

Eine Dimension größer waren die Anlagen rund um die Biogasanlage in Reupelsdorf, zu welcher uns der Omnibus von BusClassic brachte. Dem strömenden Regen wurde getrotzt, um angeregt den sehr professionell und informativ gestalteten Erklärungen der beiden Betreiber der Anlage, Hugo Löb und Frank Schleyer, folgen zu können. Es war schnell klar, dass die sachgemäße Betreuung und Instandhaltung einer Biogasanlage mit einer Anlagengröße von knapp 800 kW, sehr viel technisches Know-how erfordert und 24 Stunden überwacht werden muss, gerade auch im Hinblick einer Anpassung der Anlage an unterschiedliche Wetterbedingungen. Frank Schleyer erklärt bei einem Rundgang auf dem Gelände die unterschiedlichen Verarbeitungsschritte der Biogasanlage, welche zwei Mal am Tag mit einer Mischung aus Gülle, Mais, Gras und Getreide von Eigen- und Fremdlieferanten gespeist wird. Eine sogenannte Schnecke befördert das Verwertungsgut in einen Ring, wo es durch Bakterien langsam zersetzt und aufgelöst wird. Die daraus entstandene Energie in Form von Gas wird an zwei Blockheizkraftwerke in Wiesentheid (Gärtnerei und Heizhaus) und zwei Blockheizkraftwerke auf dem Hof der Familie Löb geliefert. Ebenfalls verwendbar sind die ausgegasten Stoffe, welche von Pumpwägen abgeholt und zum Düngen für Äcker genutzt werden. Mitüberwacht wir die Anlage auch von der Überlandzentrale in Lülsfeld.

Bernhard Bedenk betont, dass die Marktgemeinde Wiesentheid zusammen mit der ÜZ im Hinblick auf eine nachhaltige Wärmeversorgung „eine gute gesamtheitliche Lösung“ geschaffen hat, welche es dennoch gilt stetig weiter zu entwickeln.