EnergieTour 2014

Mit Ausdauer, Naturmaterialien und ausgeklügelten Konzepten die Energiewende voranbringen

Herausragende Beispiele aus Wiesentheid, Wiesenbronn und Abtswind zeigen, mit welchem Engagement und welch faszinierenden Wegen das Thema in den Dorfschätzen angegangen wird


Über 20 Personen kamen am 22.11.2014 zur zweiten EnergieTour der Arbeitsgemeinschaft Dorfschätze, um einen Blick über den Tellerrand zu werfen und sich von besonderen Beispielen moderner Energieformen aus der Region inspirieren zu lassen. Mit dem Oldtimerbus von Familie Weiglein wurden wieder drei Stationen angefahren.

Erster Halt war das sanierte Wohnhaus der Familie Hedges in Abtswind. Das Haus wurde 1934 erbaut und 2005 von den heutigen Eigentümern erworben. Seitdem hat der Schreiner Paul Hedges das ortsbildprägende Gebäude Schritt für Schritt, größtenteils eigenhändig saniert und energetisch optimiert. Bei einer Führung durch sein Haus informierte Paul Hedges die Besucher über die umgesetzten Maßnahmen. Es wurde eine Solarthermieanlage mit 7 m²  Solarpanelen zur Entlastung der Ölheizung bei der Warmwasseraufbereitung installiert. Zudem wurden zwei kleine Holzöfen angeschafft und das Dach und die Wände wurden gründlich von innen gedämmt - zum Erhalt der historischen Hausfassade. Die Investition hat sich aus Sicht der Hauseigentümer gelohnt: Heute liegt der Verbrauch für die ca. 220 m² große Wohnfläche jährlich bei 7-8 Ster Holz und rund 1000 Liter Heizöl. Selbst an trüben Tagen wird das Wasser auf 20 bis 25°C erhitzt, an sonnigen Tagen auf bis zu 80° C. „Es ist ein gutes Gefühl, beim Duschen zu wissen, es kostet keine Energie“, so der Hauseigentümer. Es sei ihm beim Kauf und der Sanierung des Hauses aber auch ein großes Anliegen gewesen, dazu beizutragen, die Ortskerne unserer Dörfer zukunftsfähig zu machen und die schönen alten Häuser vor dem Verfall zu bewahren.

 

Auch bei der nächsten Station waren die Besucher von der Ausdauer und dem herausragenden Engagement der Hausbesitzer fasziniert. Familie Hesch in Wiesenbronn verbringt seit fast vier Jahren ihre Freizeit auf der Baustelle, um gemeinsam ein Lehm-Strohhaus eigenhändig aufzubauen. Die Eltern der Bauherrin führten durch den Rohbau und informierten über den Entstehungsprozess, von dem sich die Besucher auch anhand von Fotos ein Bild machen konnten. Der Holzrahmenbau wurde mit einem Lehm-Stroh-Gemisch ausgekleidet, welches selbst “eigenfüßig“ hergestellt wurde. Durch Verwendung regionaler, natürlicher Baumaterialien wird für Transport und Herstellung kaum Energie benötigt. Nachhaltig ist der Naturbau aber auch durch die problemlose Entsorgung. „Wenn meine Urenkel in 50 Jahren das Haus abreißen wollen, können sie’s einfach in den Wald schmeißen und es können Blumen drauf wachsen“, sagt Herr Hesch vorausschauend. Wichtig sei ihm und seiner Frau aber auch, dass ihre Kinder und Enkel in einem guten, gesunden Raumklima leben, das durch die feuchtigkeitsregulierenden und atmungsaktiven Eigenschaften des Lehms und Strohs geschaffen wird. Wenn der Bau in voraussichtlich drei Jahren abgeschlossen sein wird, soll eine Solarthermieanlage für die Warmwasseraufbereitung und ein Holzzentralheizungsherd für die Beheizung sorgen.

 

Die letzte Station war die kürzlich sanierte Steigerwaldhalle in Wiesentheid. Der 1. Bürgermeister von Wiesentheid und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Dorfschätze, Dr. Werner Knaier, und Dipl.-Ing. Rudy Laatsch vom leitenden Ingenieurbüro Brändlein führten durch die Halle und stellten die zahlreichen Sanierungsmaßnahmen vor, die seit Mai diesen Jahres umgesetzt worden sind. In dem 1974 erbauten Gebäude wurde unter anderem eine neue, hocheffiziente Heizungs- und Lüftungsanlage eingerichtet. Dabei wurde nicht nur auf Energieeffizienz, sondern auch auf Geräuscharmut geachtet. Die Wände wurden gedämmt und die Beleuchtung auf LED umgestellt. Zudem wurde die Mehrzweckhalle für die vielseitige Nutzung für Sport, Schulen, Events und Vorträge optimiert. Dabei wurden die Vereine in die Gestaltung mit einbezogen. Die beeindruckten Gäste waren sich mit Bürgermeister Knaier einig, dass durch die vielen gut durchdachten Details die neue, moderne Halle für weitere 20 Jahre gut gerüstet ist. Abschließend erklärte Dipl.-Ing. Laatsch, wie man bei einer energetischen Sanierung im eigenen Haus vorgehen sollte.

 

Das Fazit der Arbeitsgemeinschaft Dorfschätze ist, dass diese Beispiele zeigen, dass viele Wege zur Energiewende beitragen können. Ausdauer, Mut und Ideen sind erforderlich. Die Region der Dorfschätze schätzt sich glücklich, solche über die Regionsgrenzen hinausstrahlenden Leuchtturmprojekte vorzeigen zu können.